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Flexibilität als Richtlinie für Kultur, Wirtschaft und Politik

Flexibilität ist das Zauberwort der ökonomischen Umstrukturierung. Es gehört zum Wortschatz der Bundesregierung genauso wie von Unternehmern. Auf Flexibilität pochen aber auch jene, die sich für längere Öffnungszeiten einsetzen oder gegen monotone Arbeitsprozesse wenden. Jedenfalls hat dieser Begriff derzeit Konjunktur. Er wird sowohl von privatwirtschaftlicher als auch von staatlicher Seite als Zielvorgabe für Veränderungen betrachtet. Nicht zuletzt werden flexible Strukturen angestrebt, wenn es um die Formierung eines zeitgemäßen transnationalen, politischen Widerstands geht. Mehr Flexibilität wird also von „oben“ und von „unten“ gefordert. Deswegen ist genau zu differenzieren, woher und aus welchen Interessen heraus der Wunsch nach größerer Flexibilität kommt. Die Ausstellung „Flexiblität“ möchte einen Beitrag dazu leisten, das Postulat von und das Begehren nach mehr Flexibilität differenzierter zu betrachten. Sie untersucht insbesondere die ästhetische Seite und kulturelle Bedeutung von Flexibilisierungmaßnahmen.

Sowohl auf der Ebene lokaler Betriebe als auch multinationaler Unternehmensgruppen hat sich das Netzwerk als die flexibelste und damit effizienteste Organisationsform durchgesetzt. Aber nicht nur die Wirtschaft, sondern unser gesamtes gesellschaftliches Leben und unsere Kommunikation wird durch Netzwerke zunehmend geprägt. Durch die Knoten dieser Netzwerke strömen Güter, Menschen, Kapital und Technologien. Die Netzwerkgesellschaft hat zu einer Transformation der Arbeit geführt. Der amerikanische Soziologe Manuel Castells spricht in diesem Zusammenhang von „Flexi-Workers“. Flexibilität am Arbeitsplatz setzt nicht zuletzt den Abbau hierarchischer Strukturen voraus. Denn nur in Strukturen mit geringer vertikaler Organisation ist der Tausch von Verantwortungsbereichen und die Variabilität von Arbeitsverhältnissen möglich. Welche Folgen dieses Patchwork an kompilierten Arbeitskompetenzen für das Patch Life des mobilen Arbeitnehmers mit flexiblen Beziehungsverhältnissen haben wird, ist noch nicht abzusehen.

Jenseits aktueller politischer und ökonomischer Tendenzen ist Flexibilität aber auch ein Begriff, der schon seit Jahrzehnten in Zusammenhang mit künstlerischen Vorhaben gebraucht wird. Das sogenannte „offene Kunstwerk“ (Umberto Eco), Interaktivität, bewegliche Skulptur, partizipatorische und mobile Architektur sind Richtungen, in denen der Aspekt der Flexibilität eine zentrale Rolle spielt. Schon seit Jahrzehnten sind Künstler sowohl an der Adaptionsfähigkeit an jeweilige Orte als auch der Beteiligung des Rezipienten (bzw. des Bewohners im Städtebau) interessiert. Die Flexibilität ihrer Produkte soll diesen Anforderungen genügen.
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