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Teil 2: 6. September 2005 | 19 Uhr
Alvar Aalto Kulturhaus HS 2 | Porschestraße 51 | 38440 Wolfsburg
FELDGRAU LAG IN DER LUFT /1
Filmprogramm zu Krieg und Befreiung
von Madeleine Bernstorff / Jochen Becker (metroZones)
für
NON-STOP. Ein Projekt zur Ambivalenz von Krieg und Frieden
Kunstverein Wolfsburg
„Erst als ‘Wolfsburg-Macher’ Bodo Lafferentz auf den Gedanken kam, den Volkswagen als Kübelwagen den Italienern für deren Nordafrikakrieg anzubieten, wurde der VW ‚kriegstauglich’.“ Christian Schneider: Stadtgründung im Dritten Reich, 1979
Der 8. Mai 1945 gilt als Tag der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus und als Stunde Null der künftigen Bundesrepublik Deutschland. Folgten wir im ersten Teil des Filmpro-gramms “Rot lag in der Luft” den Kontinuitäten des Weltkriegs als koloniales Projekt, steht nun das VW-Werk und die Stadt Wolfsburg im Zentrum.
Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben–Wolfsburg–AutoStadt–Golfsburg
Die Stadt des Käfers wechselte in kurzer Zeit mehrfach ihre Bezeichnungen. Doch markieren diese Wechsel weit weniger Brüche, als daß sie Kontinuitäten verschleiern?
Das Volkswagenwerk gehörte dem Verbund ‘Kraft durch Freude’ an, der sich aus dem Vermögen der zerschlagenen Gewerkschaften speiste. KdF war das Freizeitprogramm der Volksgenossen. Heute produziert die “Wolfsburg AG” in Kooperation von Werks- und Stadtverwaltung neben dem Umfeld für die Automobilproduktion vor allem freizeitorientierte locations. Zwischenzeitlich unterstützte Volkswagen fünf Herbie-Filme der Disney-Studios, welche den Nazi-VW in lustige Käfer verwandelten.
Das 1938 in Anwesenheit von Adolf Hitler gegründete Werk in der “Stadt des KdF-Wagen” produzierte einige wenige Käfer sowie Waffen, Panzer, den Schwimm- und Kübelwagen. Der Konzern war zudem verantwortlich für die Durchführung der Arbeiten an der Rakete V1. Während die “Volksgenossen” an der Front kämpften, mußten Zwangsarbeiter die Produktion aufrecht erhalten. Sie lebten in Lager-Baracken oder eingesperrt im Werkskeller. Das sichtbare Gedenken an sie wird in der Stadt klein gehalten.
Nach dem Krieg begrüßte VW-Chef Nordhoff seine “Arbeitskameraden” und meinte damit die Beschäftigten. Auch die Lager waren weiter im Gebrauch – als Übergangsheime für deutsche Arbeiter und lange Zeit als isolierte Wohnheime der “Gastarbeiter”. Eine Mehrheit in Wolfsburg wählte kurz nach dem Krieg die äußerste Rechte. Stunde Null oder Non-Stop?
…aus Dämmerung und Nacht wird ein neuer Morgen...
Das kommentierte Programm ‘Feldgrau lag in der Luft/1’ sichtet anhand ausgewählter Filmbeispiele die Stadt im Aufbau und ihre “Fremdarbeiter”, erkundet Afrikakops und Lovebugs, zeigt Baracken und AutoUniversitäten. Dabei begleitet uns als Kommentator der Berliner Künstler Johannes Raether. Befragt wird Dr. Klaus-Jörg Siegfried vom Institut für Museen und Stadtgeschichte der Stadt Wolfsburg.
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