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LOVE ME TENDER
Über Kinder, Erwachsene und deren Verhältnis

Eröffnung: 23.04.2009, 18:30 Uhr KraftWerk
Ausstellung: 24.04. - 31.05.2009

 

„Love me tender“ (Liebe mich zärtlich!) ist die erste internationale Gruppenausstellung, die im KraftWerk des Volkswagengeländes gezeigt wird und sie ist die erste Kunstausstellung, die das Thema des Tanzfestivals Movimentos der AutoStadt aufgreift. „Love me tender“ reflektiert mit Mitteln der Kunst das Verantwortungsbewusstsein gegenüber Kindern. Der durch Elvis Presley populär gemachte Ausdruck „Love me tender“ wird dabei bewusst in Richtung zärtlicher Liebe gegenüber Kindern uminterpretiert. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von Werken, die sich mit dem heutigen Verhältnis von Kindern und Erwachsenen auseinandersetzen.

 

KünstlerInnen:

Jens Lüstraeten (D), Corin Sworn (CDN), Hanna Nitsch (D), Uli Aigners (A), Tseng Yu-Chin (TW)

Die Rolle der Väter hat sich in den letzten Jahrzehnten wesentlich geändert. Während es vor fünfzig Jahren noch als „unmännlich“ galt, den Kinderwagen zu schieben oder die Windeln zu wechseln, können heute durch die Elternzeitregelung Väter und Mütter gleichermaßen in den ersten Lebensmonaten für ihre Neugeborenen sorgen. Das Verhältnis zwischen Väter und Babys bzw. Kleinkinder ist dadurch intimer und vertrauter geworden. Andererseits wachsen die beruflichen Anforderungen, der Leistungsdruck nimmt eher zu als ab. Väter müssen gleichsam einen Spagat vollziehen, wenn sie Beruf und Familienleben vereinen wollen. Der Berliner Fotograf und Künstler Jens Lüstraeten untersucht in der Fotoserie „Väter“ ihre neue Rolle und zeigt sie im Zwiespalt von Privatheit und Öffentlichkeit. Er nahm verschiedene Väter im Dresscode der Arbeitswelt auf, die im Widerspruch zur bequemen, schmiegsamen Babykleidung steht. Trotz vergleichbarer Posen und Outfits bleibt die Individualität der jeweils Porträtierten auf Lüstraetens Fotografien deutlich sichtbar.

Die Kanadierin Corin Sworn beschäftigt sich seit langem mit dem Thema Kinder. Weniger, indem sie diese direkt abbildet. Ihr Interesse gilt viel mehr ihrem räumlichen Umfeld und der Geschichte pädagogischer Konzepte. So greift sie beispielsweise das erste Stecksystem des Begründers des ersten Kindergartens, Friedrich Fröbel, auf. Farblich auf schwarze Elemente reduziert baut sie daraus eine Skulptur im Stil der Moderne. Oder sie reflektiert mit zeichnerischen Mitteln die Summerhill School, die Anfang des 20. Jahrhunderts die erste demokratische Schule mit bis dahin unbekannten Rechten und Freiheiten für Kinder bildete. Die Grundregeln dieser Schule im Jugendstil druckte sie als Poster nach und stellt damit die Frage auf, inwieweit diese Vorstellungen bis heute Gültigkeit besitzen.

Hanna Nitschs besondere Leistung besteht darin, dass es ihr gelingt, in ihren Gemälden und Zeichnungen die Ambivalenz des kindlichen Wesens herauszuarbeiten, d. h. dass sie die beiden Seiten von Kindern zeigt: die liebenswerte, liebliche, als auch die verunsichernde, erschreckende. Kinder sind bevorzugt Projektionsflächen für Erwachsene. Sie betrachten z.B. ein Mädchen als eine lebendige Puppe, die als adrett und niedlich erscheint. Andere sehen in ihr dagegen schon die junge Frau, die geschminkt und mit Schmuck und cooler Kleidung entsprechend frühreif wirkt. Beide Arten der Stereotypisierung werden auch in Nitschs Arbeiten thematisiert. Zu den häufigsten Klischees gehört die Vorstellung, dass Kinder authentische Personen seien. Aber gerade Kinder lieben das Rollenspiel. Mädchen wollen abwechselnd eine Prinzessin, Piratin, Elfe oder Hexe sein. Und wieder ein anderes Mal verkleiden sie sich als Tier, z.B. mit einer Maske als Hund. Zu diesen Rollenwechseln gehören jeweilige Attribute: Kleidung, Schmuck, Schminke und charakteristische Gegenstände wie eine Krone. Gerade im Kindsein ist die Persönlichkeit, wie Hanna Nitsch zeigt, noch im Werden; sie ist „under construction“. Hanna Nitsch bedient sich in ihrer Tuschemalerei oftmals der Naß-in-Naß-Technik. Der Bildträger wird zuerst unter Wasser gesetzt, bevor die Künstlerin Farbe aufträgt. Die Feuchtigkeit bewirkt eine Auflösung der Konturen, ein Verwischen der Formen und ein Zerfließen der Farbe. Im Zerfließen malt sich das Gemälde gleichsam selbst. Dabei entsteht ein Wechselspiel aus Kontrolle und Kontrollverlust.

In Uli Aigners Werkreihe „Keimzelle des Staates“ wird Privates öffentlich. Allein der Titel deutet die politische Konnotation der künstlerischen Auseinandersetzung mit ihrer Familie an. Dabei geht es ihr nicht um eine naturalistische Abbildung von Personen und deren Interagieren sondern um eine Interpretation und ästhetische Transformation von Alltagsleben. Die Vitalität, die Buntheit und manchmal Chaos des familiären Zusammenseins wird auf Aigners großformatigen Werken zu farbigen, facettenreichen Ordnungen. Personen wachsen zu einem Familienknäuel zusammen und die sie umgebenden Räume und Architekturen werden scheinbar in Bewegung versetzt. Die österreichische Künstlerin und Kuratorin legt dabei weniger Wert auf die Individuen oder die Gesichter sondern auf Strukturen und Relationen. Schraffuren bilden Rhythmen, leer gelassenen Stellen setzen auffällige Akzente und gleich kolorierte Partien erzeugen überraschende Verbindungen. Die Autonomie der Farben und Formen erscheint als gleichwertig zur figürlichen Darstellung. Uli Aigners Zeichnungen stehen damit genau zwischen Abstraktion und Realismus.

Tseng Yu-Chin war Teilnehmer der letzten documenta. Der taiwanesische Künstler und Filmemacher zeigt in Nummer 5 seiner Werkgruppe „Who is listening?“ einen kleinen Jungen mit seiner Mutter in einer Doppelprojektion, so dass der Betrachter das Verhalten beider aus Distanz und aus der Nähe verfolgen kann. Um den Blick ganz auf die Körperlichkeit von Mutter und Kind, auf ihre Mimik und Gestik zu lenken. tragen beide Personen weiße Kleidung und auch die Couch, auf der sie sitzen ist weiß. Es ist spannend zu beobachten, wie schnell sich das Miteinander von Mutter und Kind von liebevoll in heftig, fast gewalttätig verwandelt. Necken wird zum Zanken, Küssen zum Raufen. Damit hält Yu-Chin eine Situation fest, die man täglich erleben kann, aber in dieser Deutlichkeit kaum wahrnimmt. Er demonstriert in „Who is listening? No. 5“ auf, dass das Eltern-Kind-Verhältnis sowohl ein Liebes- als auch ein Machtverhältnis ist.

 

Kuratiert von: Justin Hoffmann
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