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Jetzt mit Kultur!

Das Jahresprogramm 2017 beschäftigt sich mit verschiedenen Phänomenen der Kulturalisierung. Der Begriff der Kulturalisierung kann weit gefasst werden und besitzt politische, kulturtheoretische, urbanistische und künstlerische Konnotationen. Grundsätzlich umfasst es alle Prozesse und Bestrebungen, die Nicht-Kultur in Kultur verwandeln.

Urbanismus
Als ich 1999 zusammen mit Marion von Osten im Berliner Verlag b_books den Reader "Das Phantom sucht seinen Mörder. Zur Kulturalisierung der Ökonomie“ herausbrachte, war uns noch nicht klar, dass knapp zwanzig Jahre später der Kulturalisierungsprozess in einem weitaus größeren Umfang ablaufen würde, als es damals vorauszusehen war. Inzwischen kann man die Kulturalisierung von ganzen Städten erleben, etwa indem man sie mit einem speziellen kulturellen Etikett versieht. Wolfsburg nennt sich „Erlebnisstadt“, Wolfenbüttel dagegen „Lessing-Stadt“. Bei dieser Art der Etikettierung spielen wirtschaftliche oder politische Faktoren kaum eine Rolle. In der Vermarktung der Städte soll ein positives Image vermittelt und Touristen mit kulturellen Begriffen angelockt werden. Aber auch innerhalb von Gentrifizierungsprozessen lässt sich Kulturalisierung gleichsam als Zwischenstadium beobachten. Denn sind es nicht die sich ansiedelnden Künstler und Kulturinstitutionen, die zunächst ein Viertel aufwerten, bevor dort in einer nächsten Phase die Immobilienpreise steigen? Als vergleichbaren Akt der Kulturalisierung könnte man auch die Umwandlung des nach dem 2. Weltkrieg leerstehenden Schloss Wolfsburg in einen Ort der bildenden Kunst sehen. Künstler aus anderen Städten wurden in den 1960er Jahren eingeladen, dort zu leben und zu arbeiten. Daraus bildete sich die viel beachtete Künstlergruppe „Schloßstraße 8“.

Politik
„Kulturalismus ist die Vortäuschung einer kulturellen Notwendigkeit, durch welche eine politische Absicht geleugnet werden soll“, schreibt Wolfram Pfreundschuh, der Betreiber der Website „kulturkritik.net“. Mit der Kulturalisierung der Politik werden heute politische Differenzen als kulturelle ausgegeben und damit machtpolitische Intentionen verschleiert. Der Begriff der Kultur wird gegenwärtig zur Identifizierung und Stigmatisierung sozialer Gruppen und Ethnien verwendet. Dabei zählt nicht der wirkliche Inhalt einer Kultur, sondern das, was sie symbolisiert, was in sie projiziert wird.

Kunst
Mit der Methode des Readymades, die vor genau 100 Jahren von Marcel Duchamp in die Kunst eingebracht wurde, ist es bildenden Künstlern seit dem Anfang des 20. Jhs. möglich, Gegenstände jeglicher Art ohne irgendeine Bearbeitung in Kunstwerke zu transformieren. Letztlich ist es die Deklarierung als Kunst durch den Künstler, die eine Verwandlung ermöglicht und damit verbunden eine Kontextverschiebung erzeugt.
Kultur besteht aus Artefakten und Imaginationen, d. h. aus Dingen, die der Mensch hergestellt hat und aus Bedeutungen, die er Dingen gibt, mit denen er Dinge transzendiert. Im Zusammenhang von Kunst könnte man von einer verwandelnden Kraft sprechen, die einer Materie eine symbolische Ebene verleiht. Jüngere Künstler wie z. B. Dan Stockholm greifen diese tradierte Methode auf und entwickeln daraus neue Ausdrucksformen.

Digitale Kultur
Mit dem Internet und seinem partizipatorischen Potenzial entwickelten sich neue Formen der Gestaltung – Bild- und Filmproduktionen, die zwischen Kunst und Alltag angesiedelt sind. Die Bildsprache von Computergames führte zu einer Produktion von Bildern, die man als Fan Art bezeichnet und die auf eigens dafür geschaffenen Plattformen präsentiert werden. Gewohnte Qualitätskriterien werden außer Kraft gesetzt. Es zählt viel mehr die massenhafte Verbreitung, messbar durch die Anzahl der Clicks. Das gilt auch für das Adaptieren und Transformieren bekannter medialer Inhalte. Von „Internetmemen“ spricht man, wenn bestimmte medienbasierte Inhalte (Katzenbilder, Einhörner, Sprüche, Filme etc.) tausendfach nachgemacht, variiert, bisweilen persifliert und veröffentlicht werden. Die Kulturleistung besteht im Remixen des schon Vorhandenen und in der immensen Verbreitung. Inzwischen haben Künstler dieses Phänomen aufgegriffen, eigene Internetmeme in die Welt gesetzt und damit ihre Konzepte publiziert.

Produktpräsentation
Eine Ware ist heute vielfach mehr als nur einfach Ware. Ware ist heute im besten Fall ein Kulturgut. In „Das Kapital“ deutet Karl Marx bereits die Komplexität des Wesens der Ware an. Die Ware ist demnach kein triviales sondern ein vertracktes Projekt mit theologischen und metaphysischen Konnotationen. Er spricht in diesem Zusammenhang vom Warenfetischismus. Korrespondiert diese Analyse nicht mit den zelebrierten Präsentationen von Apple und anderer Firmen des IT-Bereichs oder den spektakulären Shows auf Produkt-Messen? Die Tendenz, Waren als Kulturgut anzupreisen, steht in Verbindungmit dem Phänomen, dass Warenhäuser schon seit längerem als Kulturorte, z. B. als „Galeria“, aufgewertet werden. In Braunschweig findet man mit der wieder aufgebauten Schlossarchitektur eines der avanciertesten Beispiele dieser Entwicklung.

Dr. Justin Hoffmann

Zeitplan – Jetzt mit Kultur!

Dan Stockholm
24/02/–16/04/2017
Eröffnung: 23/02/2017

Waffle falling over
Internetmeme: Kulturalisierung des Gewöhnlichen

12/05/–06/08/2017
Eröffnung: 11/05/2017

Games Culture
18/08/–05/11/2017
Eröffnung: 17/08/2017

Gruppe Schloßstraße 8
24/11/2017–04/02/2018
Eröffnung: 23/11/2017


 
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