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Sexualität in der digitalisierten Kultur

Sex gilt als die schönste Nebensache der Welt: Sex kann aber auch mehr sein, insbesondere ein wichtiger kommerzieller Faktor, ein Weg, Waren an den Mann zu bringen. Nach Fredric Jameson ist der Spätkapitalismus allgemein dadurch gekennzeichnet, dass auch entferntere gesellschaftliche Bereiche von Wirtschaft und Politik, wie Sport oder Bildung zunehmend kapitalisiert werden - so auch die Sexualität. „To be sexy“ wird immer mehr zu einem Faktor der Ökonomie.

Für Slavoj Žižek ist Sex ein Phänomen, das uns von den Tieren unterscheidet: „Der erste Schritt eines Menschen ist nicht das Denken, sondern die ‚Fetischisierung‘ eines partiellen Moments zu einem autonomen Ziel; die Erhebung von Lust zur jouissance, zu einem tödlichen Exzess des Genießens als Selbstzweck.“ Etwas, was ursprünglich als Mittel der Fortpflanzung gedacht ist, wird im sexuellen Verhalten des Menschen zum Selbstzweck. Aus Trieb wird Imagination.

Nachdem sich in den 1990er Jahren – ausgelöst durch die Gender-Debatte (z. B. durch Judith Butler oder Donna Haraway) – zahlreiche Kunstausstellungen für ein neues Verständnis von Geschlecht und Sexualpraxis einsetzten, war es längere Zeit ruhig um diese Thematik geworden. Erst in jüngster Zeit, in der digitalisierten Kultur mehren sich die Ausstellungen mit sexueller Konnotation. Ihr Fokus hat sich jedoch verschoben. Er richtet sich nun auf die Folgen der leichten Zugänglichkeit von Pornografie (was als „Pornofizierung der Gesellschaft“ beschrieben wird) und auf die virtuellen Potenziale der Sexualität. Die deutsche Ausgabe von „Wired“ widmete sich 2015 in einem Special diesen Themen, wobei die Selbstdarstellungs- und Exhibitionismus-Welle in den Social Media nur eines von vielen war.

Wenn wir im sexuellen Bereich alles wissen, alles sehen und erfahren können, ist Pornografie dann überhaupt noch relevant? Löst sie sich gleichsam auf, implodiert sie aufgrund ihrer eigenen Massenverbreitung? Und wenn wir alles wissen, was geschieht dann mit der sexuellen Phantasie, nach Freud und Lacan der Motor unseres sexuellen Handelns?

Auch die Mode wurde von der Sexualisierung der Kultur beeinflusst. Der Trend geht seit Jahren in Richtung Betonung der erogenen Zonen. Heute trägt man eine Body-Shaping-Wear. So ist Kleidung nicht mehr Mode im eigentlichen Sinn und verliert an Autonomie, sondern besitzt vorrangig die Aufgabe, den Körper zu optimieren.

Eine weitere Auswirkung der Sexualisierung der Gesellschaft ist die Verschärfung des Konflikts zwischen religiösen Gemeinschaften und der westlichen Mainstream-Kultur. Die unterschiedlichen Vorstellungen gegenüber Sexualität spiegeln sich in der Medienwelt und Alltagskultur wieder. Umso freizügiger die Menschen hier auftreten, umso stärker wird in religiösen Gruppen an das Schamgefühl appelliert. Gerade bei Anhängern des Islams führt dies zu einer Zunahme der Verhüllung des weiblichen Körpers, bis gleichsam gar nichts mehr von ihm zu sehen ist. Die Sexualisierung der Kultur vertieft den Graben zwischen westlicher und islamischer Welt.

Zeitplan – Sexualität in der digitalisierten Kultur

Verführen
26/02/–03/05/2016
Eröffnung: 25/02/2016, 19h

arti
Der Kunstpreis für Wolfsburger Künstler
Ich bin so frei

27/05/–14/08/2016
Eröffnung: 26/05/2016, 19h

Sex Smells
Geruch einer antitranspiranten Gesellschaft

02/09/–06/11/2016
Eröffnung: 01/09/2016, 19h

Überschreiten
25/11/2016–05/02/2017
Eröffnung: 24/11/2016, 19h


 
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