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Wissen ist Lust
Über die Kunst des Verbergens und Enthüllens

Letztlich waren es die Enthüllungen von Edward Snowden und der folgende NSA-Skandal, aber auch die weit verbreiteten Warnungen vor übermächtigen Internet-Giganten wie Google, Facebook, Apple und Microsoft, die eine aktuelle Debatte über die Bedeutung von Wissen und Nicht-Wissen bzw. über die Notwendigkeit von Geheimnissen entfachte. Schnell wurde deutlich, dass trotz aller Sicherheitsbedürfnisse das Geheimnis einen zentralen Wert innerhalb der demokratischen Gesellschaft besitzt, den es zu schützen gilt, auch wenn, wie der Kulturwissenschaftler Hartmut Böhme betont, das Geheimnis dem demokratischen Ideal der Transparenz eigentlich widerspricht. Lange Jahre lief der Trend gegen das Geheimnis. „Geheimnis ist Diebstahl“ hieß es seitens radikaler Netzaktivisten und Hacker. Gemeint war damit, dass es in Zeiten der digitalen Medien keinen Anspruch mehr auf Eigentum von Informationen geben soll. Keine Schranken und Tabus mögen unser Begehren, mehr zu erfahren, stoppen. Spätestens seit zahlreiche Hacker in den Machtapparat integriert oder von Geheimdiensten angestellt wurden, wissen wir aber, dass das Eindringen in und die Veröffentlichung der Kommunikation von Personen und Institutionen zahlreiche Gefahren mit sich bringt. Derzeit wird von den internationalen Gerichten geklärt, wie weit das von Google-Chef Eric Schmidt eingeforderte „Recht auf Wissen“ durch ein „Recht auf Vergessen“ eingeschränkt werden muss.

Geheimnisse sind grundlegend für unser menschliches Zusammenleben. Wie schon Georg Simmel erkannte, wird die Beziehung zwischen zwei Menschen oder zwei Gruppen dadurch bestimmt, ob und wieviele Geheimnisse sie birgt. Das Geheimnis bildet eine Art Schutzraum, der dem Zwang zur Öffnung und Kommunikation nicht unterliegt. „Das Geheimnis bietet sozusagen die Möglichkeit einer zweiten Welt neben der offenbaren, und diese wird von jener aufs stärkste beeinflusst.“ (Georg Simmel, Das Geheimnis, 1907)

Die Lust, über andere Menschen mehr zu erfahren, ist nicht mit der reinen Neugier und dem sexuell konnotierten Voyeurismus zu verwechseln, auch wenn es sich um verwandte Begriffe handelt. Nach Lacan geht das Begehren des Individuums von einer Unvollständigkeit und Spaltung des Menschen aus, die eine Ergänzung erfahren und einen Mangel beseitigten will. Das in dem Wissen Erfahrene - heute oftmals Daten - soll reale Folgen nach sich ziehen und möglichst Erfüllung bringen.

Das Insistieren auf das Undurchsichtige und Dunkle erschien lange Zeit als ein Phänomen der Vormoderne. Inzwischen erkennen wir das Dunkle als einen anderen, relevanten Zustand an, der bewahrt werden muss. Die technologische Entwicklung hat jüngst einen Status erreicht, der das Wissensbegehren auf Maschinen ablenkt. Zunehmend wird der „Wille zum Wissen“ (Michel Foucault, Sexualität und Wahrheit, Band 1) dem Rechner als mächtigstes Medium übertragen. Wird er damit als jene Instanz anerkannt, die uns das verborgene Wissen liefern soll? Es entsteht der Eindruck, als wenn ein Abtreten von Verantwortung auf digitale Medien mit diesem Prozess direkt korrespondiert. Wir sind enttäuscht, wenn der Rechner und das Internet nicht alle gewünschten Informationen anzeigt, aber fragen gleichzeitig nach Barrieren, die vor dem Eindringen von Spy- und Maleware in PCs schützen. Diese Ambivalenz kennzeichnet heute unseren Umgang mit den Kommunikationsmedien.

Das Streben nach Wissen mit allen Mitteln kennzeichnet die Crime Story. Es geht dabei nicht nur um das Auffinden des Täters sondern auch um die Umstände der Tat, ihr Motiv. Die Krimi-Handlung wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts zum wesentlichen Faktor der populären Kultur. Gerade in den Medien TV, Film, ‚Comic und Literatur fand die Crime Story ihren Niederschlag. Aber auch bildende Künstler beschäftigten sich mit dieser Form von Narration. Die Ausstellung Crime Art versammelt zum ersten Mal künstlerische Arbeiten zu dieser unsere Kultur so prägenden Thematik.

In Elisabeth Stumpfs erster großer Einzelausstellung Lightning Frightening liegt der Fokus auf dem Mystisch-Zeremoniellen. Die Installationen gehen zwar vom Landschaftsbegriff aus, die Braunschweiger Bildhauerin erweitert diesen jedoch. Ihre bühnenartigen Szenen finden oft in einem Zwischenbereich statt, der die Realität und die Vorstellung einer von Geistern bevölkerten Welt miteinander verbindet. Wie in ihren zerklüfteten Felsenlandschaften entstehen Lücken, die den Betrachter bewusst im Unklaren lassen.

Verschwörungstheorien bieten ein simplifiziertes Weltbild an und basieren zumeist auf Scheinlogik. Sich in ihnen zu verlieren kann die geistige Gesundheit kosten. Andererseits bieten die aktuellen technischen Möglichkeiten einen sehr fruchtbaren Nährboden für konspirative Machenschaften und Manipulationen. Operation Mindfuck möchte sich der Frage, wie paranoid man heutzutage sein muss, annähern und zeigt künstlerische Positionen, die sich mit Überwachung, Datenklau und geistiger Verführung beschäftigen. In einer zweiten geheimen Ebene werden Arbeiten aus dem Bereich der „Augmented Reality Art“ gezeigt, die nur über eine Smartphone-App an bestimmten Orten sichtbar werden.

Trotz des Fortschritts von Wissenschaft und Technik birgt das Weltgeschehen zahlreiche Rätsel. Unsere Vorstellung von Realität ist immer noch fragil. Vorübergehende Sicherheit versprechen Personen und Gemeinschaften, die vermeintlich verborgenes Wissen kennen. Die Ausstellung Verborgene Kräfte widmen sich künstlerischen Arbeiten, die sich mit Magie, Mysterien und geheimem Wissen beschäftigen.

Zeitplan – Wissen ist Lust

Crime Art
27/02/–03/05/2015
Eröffnung: 26/02/2015

Elisabeth Stumpf
Lightning Frightening

22/05/–23/08/2015
Eröffnung: 21/05/2015

Operation Mindfuck
18/09/–08/11/2015
Eröffnung: 17/09/2015

Verborgene Kräfte
27/11/2015–07/02/2016
Eröffnung: 26/11/2015

Raum für Freunde
Verschiedene Projekte
ab 26/02/2015


 
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