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Ranking, Casting, Überleben

Das Programm 2011 des Kunstverein Wolfsburg handelt von den Bedingungen, die unser Alltagsleben in jüngster Zeit wesentlich verändert haben. Es fragt nach den Symptomen dieser Veränderungen, nach ihren Gründen und auslösenden Faktoren.

Das Jahresthema beschreibt ein weitverbreitetes Lebensgefühl, das man auch mit „Jeder gegen Jeden“ umschreiben könnte. Jeder der drei Begriffe birgt andere Konnotationen. Während Ranking an digitale Netzwerke denken lässt und von dort bekannte Praktiken der Beurteilung bezeichnet, könnte man Casting als ein relativ neues Format der Unterhaltungsindustrie ansehen, das signalisiert, auf welch breiter Basis sich das Wettbewerbsprinzip durchgesetzt hat. Mit dem Kampf ums Überleben verbindet man in erster Linie biologische Konzepte, insbesondere der Evolution. Der Existenzkampf bekommt in der derzeitigen politischen Auseinandersetzung um die Neustrukturierung der Gesellschaft aber eine ungeahnt politische Dimension.
Zu den wichtigsten Aspekten dieser Transformation gehören die digitalen Plattformen oder Social Networks, die einen wesentlichen Einfluss auf unsere Art des Kommunizierens und damit des Umgangs mit anderen Menschen gewonnen haben. Sie wurden zu einem entscheidenden Faktor unseres Privatlebens.
Es scheint, dass wir unsere Freizeit gleichermaßen in Echtzeit und physisch präsent als auch in virtuellen Welten verbringen. Das Leben in elektronischen Netzwerken ist für sogenannte Digital Natives, die mit dem Internet und digitalen Medien aufgewachsen sind, schon eine Selbstverständlichkeit; für früher Geborene (Digital Immigrants) gilt dies jedoch in weitaus geringerem Maße. Rezeptions- und Konsumentscheidungen werden in diesen Netzwerken aufgrund der großen Auswahl der Angebote und Kommunikationswege häufig nach Vorbewertungen getroffen.
Das Ranking der User besitzt dabei einen zentralen Stellenwert. Auch die Vorstellung von Intimität und damit Identität hat sich durch den Drang nach Selbstoffenbarung in den individuellen Kommunikationsplattformen total verändert.
Phänomene dieser Art thematisiert die Ausstellung X Freunschaftsanfragen. Sie versammelt künstlerische Positionen, welche die Social Networks als relevantes neues Bild- und Textmedium begreifen.
Das Wettbewerbsprinzip hat in den letzten Jahren alle Bereiche der Gesellschaft durchdrungen. Auch die virtuellen Welten sind davon nicht ausgeschlossen. Das Casting hat sich vom Wettstreit zwischen Jobanwärtern zum wichtigen Entertainment-Faktor entwickelt. In der Freizeitkultur hat sich die Castingshow als Format durchgesetzt. Das Medium Fernsehen aber auch die Tonträger- und Bildmedienindustrie wird entscheidend von Casting-Shows und ihren Vermarktungsmöglichkeiten geprägt.

Von neuen Zeitschriften bis zu den Spitzenplätzen der Klingeltoncharts reicht das Spektrum, das Castingshows mit ihren PR-Artikeln abdecken. Aber auch traditionelle Wettbewerbsformen wie Sportturniere, wie die letzte Fußball-WM zeigte, besitzen weiterhin gesellschaftliche Relevanz und bilden Highlights der Freizeitkultur. Auch die Fußballweltmeisterschaft der Frauen 2011 in Deutschland wird hohe Aufmerksamkeit bekommen. Wolfsburg wird dabei Austragungsort für vier Spiele sein.
Der Kunstverein Wolfsburg nutzt diese Gelegenheit, um die kulturelle Seite dieser Begegnung von Frauen aus verschiedenen Nationen in ihrer Ausstellung Host City zu unterstreichen.
Die Zunahme des Wettbewerbprinzips und Parallelwelten im Internet markieren wesentliche Entwicklungen, die unser Alltagsleben betreffen. Hinzu kommen politische und ökonomische Prozesse wie der Abbau von Sozialleistungen, die entscheidend in unser gesellschaftliches Gefüge eingreifen und zahlreiche Menschen an den Rand der Existenz treiben. Die Kluft zwischen arm und reich wächst. Folgen dieser Verschärfung der sozialen Lage sind ein härterer Kampf ums Überleben, kuriose Phänomene eines Einzelkämpfertums und der Rückgang von Solidarität. In der Einzelausstellung von Franziska C. Metzger Archaische Futurismen treten groteske Gestalten mit eigentümlicher Rhetorik und Erzählungen in Erscheinung. Tragische Antihelden treffen aufeinander aber finden nicht zusammen. Ihr Auftreten widerspricht jeder wettbewerbsfähigen Selbstdarstellungsstrategie.
Am Jahresende bietet die Ausstellung De las calles de Buenos Aires / Von den Straßen Buenos Aires`, durch künstlerische Arbeiten, Einblicke in das Leben in der argentinischen Metropole Buenos Aires.
Die Schönheit und Imposanz der Stadt verbirgt die oft harten Lebensbedingungen, die sich durch die Finanzkrise 2001 stark verschlechtert haben und neben der regulären Arbeit der Bewohner häufig noch Zweit- und Drittjobs erzwingen. Mit Exkursionen in den öffentlichen Raum, die Geschichte, den Alltag, in Architektur und Stadtplanung spiegeln die vielfältigen Arbeiten eher beiläufig die gesellschaftliche und politische Situation der zweitgrößten Stadt Südamerikas wider. Im Zusammenspiel von Werken einheimischer Künstler und temporären (Künstler-)Bewohnern entsteht eine spannende Darstellung der Stadt, die durch Blicke von Außen und Innen gleichermaßen geprägt ist.



Zeitplan – Ranking, Casting, Überleben

X Freundschaftsanfragen / Phaenomenale 2011
25/02/–01/05/2011
Eröffnung: 24/02/2011

Host City
20/05/–14/08/2011
Eröffnung: 19/05/2011

Franziska C. Metzger:
Archaische Futurismen

02/09/–06/11/2011
Eröffnung: 01/09/2011

Buenos Aires – Historias de las calles / Geschichten von den Straßen
26/11/2011–05/02/2012
Eröffnung: 25/11/2011 (Freitag)

 
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